„Es war einfach superklassespitzenmäßig“
Fast die ganze Neugreuth-Grundschule erlebte die Oper Pinocchio in der Stuttgarter Staatsoper
Im Schulprogramm der Neugreuth-Grundschule steht seit langem ein jährlicher Theatertag für alle Kinder. Meist über den Veranstaltungsring Metzingen wird eine Theatertruppe in die Schule eingeladen oder es wird eine Veranstaltung in der Stadthalle besucht. Dieses Jahr gelang es Konrektorin Waltraud Haas Karten für eine Schülervorstellung in der Staatsoper in Stuttgart zu erhalten. Der Vorstand des Freundeskreises der Neugreuthschule hatte ein offenes Ohr für eine Anfrage nach einer Spende und sponserte den Opernbesuch großzügig, so dass alle Zweit-, Dritt- und Viertklässler sich auf einen besonderen Tag freuen konnten.
Die Aufregung am frühen Montagmorgen war bei Schülern und Lehrern groß, schließlich war es das erste Mal, dass sich die Neugreuth-Grundschule mit 160 Kindern im Zug auf den Weg nach Stuttgart machte. Ob alle Kinder vollzählig durch die Menschenmenge im Stuttgarter Hauptbahnhof durchgeschleust werden könnten, wo die Rucksäcke mit dem Vesper und die Winterkleidung im Opernhaus abgelegt werden könnten, ob es die Kinder stundenlang auf den Sitzen der Oper aushalten würden, und überhaupt: wie die Oper bei den Kindern ankommen würde?
Die Zugfahrt im Doppelstockwagen verlief sehr relaxt, jeder hatte seinen Lieblingsplatz gefunden, vesperte, schaute neugierig zum Fenster raus, machte ein Nickerchen oder unterhielt sich angeregt. Problemlos auch das Aussteigen im Kopfbahnhof, spannend die Frage, wo man schneller ist, auf der Rolltreppe oder zu Fuß treppab. Vor dem Opernhaus zog der „Ententeich“ die Kinder weit mehr in seinen Bann als das Gebäude selbst mit seinen weitausladenden Freitreppen , den mächtigen Säulen und Statuen. In der Staatsoper war alles aufs Beste organisiert: Auf jede der wohl knapp 100 Schulklassen wartete ein genau beschrifteter Container für die Rucksäcke und ein durch Symbole bezeichneter Garderobenplatz.
Der Geräuschpegel in der vollbesetzten Oper sank abrupt, als die Musik begann und Pinocchios Vater vor den leuchtend rot gemalten Vorhang trat. Mit Raunen und Gelächter begleiteten die Kinder den singenden Baumstamm, aus dem sich schließlich Pinocchio befreite. Die riesige Bühne in der Art eines bunten Pop-up-Bilderbuchs faszinierte alle. Einmal wurde sogar in diese Bühne eine zweite Bühne mit Menschenmarionetten geschoben. Die Jungen spekulierten darüber, mit welcher Technik sich wohl diese Bühne, die Möbel, die Wellen, die Bäume, das Haus der Fee... auf der Bühne bewegten. Die Mädchen waren fasziniert von den teils realistischen, teils märchenhaften Kostümen der vielen Tiere oder der Fee. Enttäuscht waren viele, dass die Schauspieler so schlecht zu verstehen waren. Selbst denen, die in der Schule bei der Vorbereitung gut aufgepasst hatten, wurden die langen Gesangspassagen mit der Zeit langweilig und „Wann ist Pause?“ war eine immer öfter gestellte Frage.
Die herbeigesehnte Pause wurde ausgiebig genutzt zum Vespern, zum Toilettengang – alle hatten während der Vorstellung „ausgehalten“ – und zum Erkunden des großen Hauses. Über 1400 Sitzplätze rechneten die Drittklässler zusammen: „Über uns gab es Plätze und noch mal über uns gab es Plätze und noch mal darüber gab es Plätze, das war sehr geil!“ Auch der tiefe Orchestergraben beeindruckte die Kinder, wenn auch die Zweitklässler, die in den vordersten Reihen sitzen durften die Musik als sehr laut empfanden.
Pünktlich waren alle schon vor dem dritten Gong auf ihren Plätzen. Die Handlung wurde nun dichter und erschloss sich auch, wenn man den Gesang nicht verstand. Die Bühne verwandelte sich in zauberhafte Unterwasserwelten oder wildes Meer mit bewegten Wellenbergen. Plötzlich und überraschend kam für alle der Schluss mit einem Pinocchio als echtem Kind.
Wer erwartet hatte, dass jetzt wie zur Pause ein eiliges Drängen in Richtung Türen einsetzten würde, hatte sich getäuscht. Nach langem Applaus und Getrampel riefen 1400 Kehlen minutenlang nach Zugabe.
„Langweilig“ oder „superklassespitzenmäßig“-? Bei der Nachbesprechung dieses Ereignisses waren sich die Lehrerinnen einig, dass der gemeinsame Tag ein beeindruckendes Erlebnis für alle Schüler war, in dessen Genuss jeder Neugreuth-Grundschüler einmal während seiner Grundschulzeit kommen sollte.
Waltraud Haas
